Fototapete – Doping fürs Hirn

Fototapete – Doping fürs Hirn

Das ist Alltag; am Schreibtisch sitzend entfernt sich die Idee, je angestrengter man versucht, sich ihr zu nähern. In der Antike ging man ja noch davon aus, dass Inspiration von außen, von den Göttern geben ist. Inzwischen wissen wir, die Inspiration kommt aus uns selbst – wenn man sie lässt. Das Prinzip der Serendipität erklärt es, Ideen und Eingebungen kommen überraschend, zu einem “offenen Geist”, der nicht bewusst sucht. Klingt doch eigentlich ganz einfach – müssen wir der Muse überhaupt auf die Sprünge helfen?

Die Zahlen zeigen: Wir müssen. Professor Urs Fueglistaller von der Universität in St Gallen hat analysiert, wieviele unserer Ideen uns tatsächlich am Schreibtisch zufliegen. Es sind erschreckende vier (4!) Prozent. Das heisst, unter jeder Dusche, auf jeder Toilette entstehen mehr Ideen als an jedem Schreibtisch. Die Ideen fallen uns an beim Autofahren, auf dem Weg zur Arbeit, zur Mittagspause – ja, eben gerade dann, wenn man überhaupt nicht mit ihnen rechnet. Bei der Planung von Verwaltungsbauten ist es uns besonders wichtig, diese Bedingungen zum Lockerlassen, Inseln zum Entspannen und Plätze zum Nachdenken zu schaffen. Wir wollen den Wechsel zwischen Orten konzentrierter Arbeit und Inspirationsquellen bewusst kreieren.

Ein Weg ist es, eine klare optische und räumliche Trennung zwischen Schreibtisch und Teeküche oder Loungebereich zu gestalten. Dafür stukturieren wir Räume neu, wählen Farben und Materialien bewusst und zielgerichtet aus.

Einen anderen Weg, wie man die Denkebene wechseln, das Gehirn entschleunigen kann, untersuchte Marc Berman von der University of South Carolina. Ihm fiel auf, dass Studenten, die ihre Mittagspause im Park verbrachten, sich im Anschluss bedeutend besser konzentrieren können als ihre Kommilitonen aus Mensa, City oder Bibliothek. Schon Newton saß angeblich unter einem Apfelbaum in Woolsthorpe Manor, als ihn der Ein-FALL mit der Schwerkraft ereilte. Ein Aufenthalt in der Natur entspannt also unser Gehirn. Und nicht nur das – diesen Effekt erzielte Marc Berman sogar, wenn die gleichen Studenten Naturmotive ansahen und auf sich wirken ließen. Der Mensch ist ein assoziatives Wesen. Wir können uns in Gedankenwelten hinein begeben, ohne uns physisch darin zu befinden. Sehen wir einen Wald, denken wir einen Wald und schicken unseren Kopf auf einen kleinen inneren Spaziergang.

Wir als Architekten nutzen diese Erkenntnisse und arbeiten in letzter Zeit verstärkt mit großflächigen Akustikbildern und Naturmotiven in Besprechungsräumen und Loungebereichen. Wir suchen und finden gezielt Ausblicke und Aussichten, begrünen Innenräume und verwenden natürliche Materialien. Marc Bermans Untersuchungen können wir übrigens nur bestätigen, Naturmotive verwandeln künstliche Arbeitswinkel in inspirierende Denk-Ecken. Unsere Kunden berichten von erstaunlichen Effekten. Ja, der Geist kann sich in die Natur hinein versetzen, wenn man ihn nur lässt. Ein recht simples Lockmittel für die Muse. Wer hätte das… gedacht.

24.05.2014 in

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