Punktlandung

Punktlandung

Früher flogen wir oft blind. Haben strikt nach Anforderungskatalog des Bauherrn die ersten Entwürfe entwickelt: Bruttogeschossfläche, Kosten, gewünschte Büroform. Danach startete ein mühseliger Trial-and-Error-Prozess: nächster Entwurf, Änderungswünsche, Korrektur, wieder Korrektur bis zum: „Das können wir so lassen.“

Möchten Sie acht Stunden am Tag in einem „Das können wir jetzt so lassen“- Büro verbringen? Wir zumindest haben uns irgendwann geweigert, weiterhin auf diese Weise Gebäude zu entwerfen.

Heute fliegen wir sehend; mit Nachsicht und Wärmebild. So schaffen wir selbst bei dichtestem Nebel die Punktlandung zum optimalen Entwurf, ohne zu zögern. Was hat sich geändert? Wie sieht unser neuer Planungsansatz aus?

Der erste Schritt ist ein gemeinsamer Workshop mit Mitarbeitern und Entscheidern. Wir reden mit den Nutzern, fragen nach Fakten UND nach Wünschen und Bedürfnissen. Wir sind Zuhörer, Hingucker, Nachfrager, Hinhörer.

„In unserer 135 jährigen Firmengeschichte war das heute das erste Mal, dass wir unsere Mitarbeiter so eng in die Entscheidungsfindung des Vorstandes eingebunden haben – und ich kann Ihnen sagen: Es fühlt sich gut an!“ – war der Kommentar eines Geschäftsführer nach einem Tagesworkshop mit Mitarbeitern.

Teilhaben lassen

 Bei Mitarbeitern, die man fragt und hört, erhöht sich die Verbundenheit zum Unternehmen unmittelbar. Mitarbeiterpartizipation, Teilhabe, Mitwirkung – das bedeutet Wertschätzung. Der erste Schritt unseres Planungsprozesses erreicht damit bereits ein wichtiges Etappenziel.

Wer sich einbringt, bei der Gestaltung seines eigenen Arbeitsplatzes mitwirken kann, wird sich später wohler fühlen. Fast genauso wichtig: Die Mitarbeiter übernehmen so auch automatisch Verantwortung für die Gestalt ihrer späteren Arbeitsplätze. Nörgler und Besserwisser haben von vornherein keine Chance mehr.

Oft werden wir zu Beginn mit Ängsten der Unternehmensführung konfrontiert:  Was, wenn ich das Wunschkonzert nicht erfüllen kann? Was, wenn wir uns die ganzen Extras nicht leisten können? Wir haben ganz andere Erfahrungen gemacht: Mitarbeiter nehmen die ihnen übertragene Verantwortung – vor allem auch in finanzieller Hinsicht – sehr ernst. Es ist erstaunlich, auf wie viel Mitarbeiter sogar ganz bewußt verzichten, wenn sie ihre Wünsche und Bedürfnisse einbringen dürfen.

Gemeinsam denken

Bei unseren Workshop achten wir besonders darauf, die Interaktion der Nutzer zu fördern und den Aufbau und Austausch von Teams zu initieren. Plötzlich lernen Mitarbeiter einander neu kennen. Und: die erstaunlichsten Lösungsansätze kommen dann aus den eigenen Reihen.

„Wenn Siemens wüßte, was Siemens weiß..“ sagte von Heinrich von Pierer, damals Vorstandschef der Siemens AG, schon 1995 und beklagte damit den Informationsverlust durch fehlenden internen Austausch und fehlende interne Anerkennung. Wir nutzen diese Informationsquellen, denn in der Belegschaft ist das Wissen für eine optimale Bürostruktur immanent. Alles was wir tun müssen, ist, diesen Schatz zu heben, kompetente Fragen zu stellen und ein Setting zu inszenieren, in dem ein hierarchiefreier und konstruktiver Austausch stattfinden kann.

Mit Werten locken

„Mit den richtigen Werten erreichen Sie die richtigen Köpfe“ steht in einer Trendstudie von Microsoft zur Zukunft der Arbeit. Aber wie mache ich diesen “richtigen Köpfen” in Zeiten des Kampfes um Talente und Fachkräftemangel begreiflich, wie ich ticke? Laut einer aktuellen Kienbaumstudie ist eine gute Arbeitsatmosphäre – in räumlicher und auch soziologischer Hinsicht – das wichtigste Entscheidungskriterium für Absolventen.

Büroräume werden so zum Recruitinginstrument. Google hat das schon 2004 vorgemacht: 17.000 Bewerbungen lagen nach der Veröffentlichung der ersten Bilder der neuen Züricher Firmenzentrale im Briefkasten.

So sind Fragen wie…

Wie wollt Ihr morgen arbeiten?

Wie wollt Ihr wahr genommen werden?

Was soll der erste Gedanke eines neuen Bewerbers sein, der das Gebäude betritt?

Wie fühlt sich Dein Arbeitsplatz an?

…probates Mittel zum Zweck, um bei Firmen, die nicht Google heißen, bei mittelständischen, inhabergeführten Firmen – auch in der Provinz – Arbeitsplätze zu schaffen, mit denen sie eine Chance haben, Bewerber anzulocken, an sich zu binden, bestehende zu halten und so, letztendlich, zukunftsfähig zu bleiben.

Nur Nebeneffekt?

Von Nebeneffekten, erstaunlichen Mehrwerten unsereres Ansatzes sprechen unsere Kunden:

Das Kommunikationsverhalten ändert sich, wird verbindlicher, wertschätzender, intensiver, sobald Mitarbeiter Vertrauen zu “dem Ganzen“ gewonnen haben – und eine neue Form des Austausches, der geprägt ist durch Achtsamkeit, offenes Zuhören, achtsames Reden manifestiert sich.

Auch dieses Nichtsichtbare, Nichtfassbare können wir als Architekten positiv beeinflussen. Von Beginn des Planungsprozesses an.

01.03.2014 in

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